Johannitag Triesdorf feiert 50-jähriges Jubiläum: Biomasse-Institut präsentiert wieder erfolgreich seine vielseitige Forschung
Etwa 20.000 Interessierte besuchten am letzten Juni-Sonntag dieses Jahres den Johannitag in Triesdorf. Dieser feierte in diesem Jahr auch sein 50-jähriges Jubiläum und zeigt damit eindrucksvoll wie wichtig und erfolgreich dieser Tag für die Region ist und inzwischen zur Tradtion in Triesdorf und Umgebung geworden ist. Bei strahlendem Sonnenschein und sehr heißen Sommertemperaturen von 40 Grad erlebten die Besuchenden ein vielfältiges Angebot aus Forschung, Lehre und Praxis.
Der „Johannitag“ ist in der Region ein besonderes Ereignis. Als Ehrengast gab sich dieses Jahr der Bundesminister für Landwirtschaft, Ernährung und Heimat, Alois Rainer (CSU), die Ehre. Er hielt beim Festakt einen packende Rede und ging danach mit anderen Ehrengästen auf den traditionellen Rundgang über das Gelände des Johannitags und besuchte auch den Stand des Biomasse-Instituts.
Wie auch in den letzten Jahren war der Stand des Biomasse-Instituts ein Anziehungsmanget für viele Interessierte, um dort die eigenen Forschungsprojekte zu präsentierten und sich auszutauschen.
Am Stand des Biomasse-Instituts (BIT) wurden wieder aktuelle Forschungsthemen und Entwicklungen im Bereich der Biomasseerzeugung und –nutzung präsentiert. Dabei wurden auch Themen wie Biodiversität, Digitalisierung, Umweltschutz und nachhaltige Energieerzeugung intensiv behandelt. Die Forschung am BIT orientiert sich an den aktuellen Herausforderungen unserer Zeit. Anhand von Postern und Ausstellungsstücken gewährten die wissenschaftlichen Mitarbeitenden und Professuren interessante Einblicke in ihre Forschungsarbeit und die vielfältigen Kooperationen.
Das Projekt „Zukunftsbauer 2“ hat den eigens im Projekt entwickelten Bayrischen Agrar Simulator (BayAgSim) vorgestellt, um sich hier auch Feedback durch Interessierte einzuholen. Der BayAgSim ist ein Tool, bei dem man verschiedene Zukunfts-Szenarien der bayerischen Landwirtschaft durchspielen kann (Öko-Anteil, Umfang der Moor-Vernässung, Umfang verschiedener THG-Minderungsmaßnahmen, Tierbestandsänderungen, Ernährungsänderung, uvm.) Davon abhängig bekommt man die jeweiligen Auswirkungen auf Klima, Flächenbedarf und Selbstversorgungsgrad anhand von Diagrammen dargestellt.
Im Rahmen der Projektvorstellung „BiodivOeSL: Biodiversität und Ökosystemleistung – Vom Nutzen der Vielfalt“ konnten die Interessierten einen kleinen Einblick in die Welt der Biodiversität erhalten. Anhand von vier ausgewählten Wildbienenarten, von der winzig kleinen Gewöhnlichen Maskenbiene die nur ca 0,5 cm groß ist, bis zur Dunklen Erdhummel, deren Königinnen 2-3 cm groß werden, wurde die enorme Vielfalt dieser wichtigen Bestäuber veranschaulicht. Allein in Deutschland gibt es fast 600 verschiedene Wildbienenarten, das Ergebnis unterschiedlicher Lebensweisen und Nahrungsansprüche, ein eindrucksvolles Beispiel dafür, wie vielfältig unsere Natur ist und warum ihr Schutz so wichtig bleibt. Auch botanisch wurde etwas geboten. Die Gäste konnten anhand Samenkörner und getrockneter Blüten ihr Wissen über unsere heimischen Wild- und Ackerbeikräuter die Probe stellen.
Ein besonderes Highlight waren die Führungen zum Blütenangebot auf dem Campus der HSWT. Zwei Studierende des Studiengangs Umweltsicherung präsentierten auf anschauliche und kurzweilige Weise die angelegten Blühstreifen, das Heilkräuterbeet, die Ackerwildkrautfläche sowie das Blütenangebot des Hochschulgartens. Dabei erhielten die Teilnehmenden spannende Einblicke in die Bedeutung blütenreicher Lebensräume für Bestäuber und die Förderung der Biodiversität.
Ein großer Publikumsmagnet war dieses Jahr wieder die Landtechnik. Das Forschungsprojekt „LiqInject“ präsentierte ein Injektionsdüngungsgerät welches im Rahmen des Projekts entwickelt wird. Das Gerät soll für die gezielte und dosierte Applikation von Flüssigdünger im Boden genutzt werden. Durch ein innovatives Ausbringverfahren, bei dem der Dünger in einem tiefen und abgeschlossenen Depot abgelegt wird, können negative Auswirkungen minimiert und die Effizienz gesteigert werden.
Das langjährige Projekt „regiopakt“ präsentierte sich ebenfalls am Stand des Biomasse-Instituts vertreten. Im Mittelpunkt stand ein interaktives „regiopakt-Memory“, bei dem Besuchende verschiedene Kulturen wie Kichererbse, Linse, Quinoa, Buchweizen, Amaranth und Chia anhand der Körner im Glas erraten und anschließend den passenden Pflanzenbildern zuordnen konnten. Das „regiopakt-Memory“ stieß auf großes Interesse und bot eine ideale Gelegenheit, mit Landwirtinnen und Landwirten sowie weiteren Interessierten ins Gespräch zu kommen. Der persönliche Austausch über Nischenkulturen, aktuelle Entwicklungen in der Landwirtschaft und deren Potenziale für regionale Wertschöpfungsketten lieferte viele spannende Impulse und zeigte einmal mehr den hohen Stellenwert praxisnaher Kommunikation. Angesichts der großen Herausforderungen, denen das Agrar- und Ernährungssystem in Deutschland sowie weltweit gegenüber steht, werden im Projekt „regiopakt“ innovative Ansätze für lokale Wertschöpfungsketten in der Landwirtschaft am Beispiel der Zukunftsregion Franken-Hohenlohe für die oben genannten Kulturen entwickelt.
Das 2025 gestartete Projekt „NAP-QB“ präsentierte Pflanzen und Produkte aus Quinoa und Buchweizen, welche auch verkostet werden konnten. Das Projekt ist ein Modell- und Demonstrationsvorhaben das zeigen soll, wie die Eiweißversorgung aus heimischer Produktion durch Einführung nicht-legumer Eiweißpflanzen (Quinoa und Buchweizen) gesteigert werden kann und wie die klimaresilienten Eiweißpflanzen zur Humanernährung als alternativer Betriebszweig auf landwirtschaftlichen Betrieben etabliert werden können.
Das erst vor wenigen Monaten neu gestarete Projekt „HYDRANAT“ präsentierte eine Ausstellung von verschiedenen Materialien ohne und mit gebundenem CO2.
Das Projekt entwickelt ein innovatives Verfahren zur CO2-Abscheidung mittels Gashydraten sowie zur dauerhaften Speicherung des abgeschiedenen CO2 durch Mineralisierung zu stabilen Karbonaten. Ziel ist die Entwicklung einer energieeffizienten und kostengünstigen Lösung zur Reduzierung von Emissionen in schwer zu dekarbonisierenden Industriezweigen.
Ebenso wurden die Projekte „BarleyCOPA“ und „HYDRACARB“ mit Postern präsentiert und die jeweiligen wissenschaftlichen Mitarbeitenden standen für Fragen der Interessierten jederzeit zur Verfügung.
Auch im nächsten Jahr findet wieder am letzten Sonntag im Juni der Johannitag in Triesdorf statt.
29.06.2026, Manuel Schön
alle Fotos: Beatrix Getze + Nicolas Alt, HSWT

